Dokumentationsstelle zu Widerstand und Verfolgung 1933-1945 in Thüringen

Bei unseren häufigen Kontakten mit der Gedenkstätte Buchenwald, insbesondere mit ihrem Kustos Dr. Harry Stein, wurden wir darauf aufmerksam, dass eine große Zahl von Personen, die nicht als Häftlinge im KZ inhaftiert waren, bisher nur sporadisch oder auch gar nicht als Teil des Widerstands und/oder der Verfolgung im Naziregime in den Blick der Forschung und Erinnerung gekommen sind. Deshalb kristallisierte sich heraus, dass die Geschichtswerkstatt Weimar-Apolda sich besonders dieser Personen und Kreise annehmen sollte. Nach 1990 war es besonders Udo Wohlfeld, der durch jahrelange intensive Archivtätigkeit auf eine Vielzahl von Nachrichten über Personen gestoßen ist, die zwar Verfolgungen erleiden mussten, aber – da nicht Häftlinge in Buchenwald – von der dortigen Forschung nicht erfasst wurden.

Auf Grund dieser Faktenlage stellte sich die 1999 gegründete Geschichtswerkstatt die Aufgabe, alle Nachrichten und Erwähnungen zu diesem Personenkreis zu dokumentieren, um sie schließlich anderen Forschern zur Verfügung stellen zu können.

Nachdem die Geschichtswerkstatt 2010 eine Arbeitsgruppe des Prager-Haus-Vereins geworden war, begannen deren forschende Mitarbeiter damit, ein Archiv-System einzurichten, das sich in die folgenden Bereiche gliedert:

  • Personenarchiv
  • Aktenordner-Archiv
  • Film- und Foto-Archiv
  • Bibliotheksarchiv
  • Artefakte-Archiv

Für die Einordnung der umfangreichen Archivalien konnte mit freundlicher Genehmigung der Gedenkstätte Buchenwald deren Ordnungs-System übernommen werden, zu dessen Benutzung einige digitale Programme erforderlich sind, um die eingeordneten Archivalien einsehen und abrufen zu können. Eine Systematik dieser Archivierung wird demnächst hier dargestellt.

Die Dokumentationsstelle wird dankenswerter Weise vom Thüringer Kultusministerium gefördert und ist der Träger der Forschungs- und Bildungsarbeit zum jüdischen Leben, aber auch zur Erinnerung an die anderen sozialen Gruppen, die im Fokus der Verfolgung durch die Nazibehörden standen: Personen aus dem Arbeiter-Widerstand, bürgerliches Unangepasstsein, Kranke und Behinderte, Personen mit kriminalisierter sexueller Orientierung, ZwangsarbeiterInnen und deren Kinder sowie Wehrmachtsdeserteure. All dieser Personengruppen wird im Lern- und Gedenkort Prager-Haus gedacht.

Die Dokumentationsstelle befindet sich in der Ritterstraße 19 von Apolda und kann nach telefonischer Absprache besucht werden: Telefon 03644 5188704.

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